Weihnachtszeit im Notariat

Wenn die großen Weihnachtshits täglich im Radio gespielt werden und es in den Straßen nach gebrannten Mandeln, Lebkuchen und Glühwein duftet, wissen wir: Es ist wieder so weit – Oh du fröhliche Weihnachtszeit!

Doch wird der höchste Grad an Beschaulichkeit, den das Notariat am Jahresende zu bieten hat, auch dieses Jahr wieder bloß der Genuss eines ungestörten Stückes Lebkuchen zwischen den Aktenbergen sein? Oder wird das besinnliche Flair darin bestehen, einen halbwegs heißen Schluck Wintertee zwischen den Telefonaten zu schlürfen?

Denn beschaulich und besinnlich geht es eher weniger zu, wenn es wieder heißt:

„Kriegen wir das noch in diesem Jahr hin?“ [Mandant]

„Aus steuerlichen Gründen muss das noch im laufenden Jahr beurkundet werden!“ [Steuerberater]

„Wann ist die Deadline im Handelsregister?“ [Mandant]

 „Dem habe ich einen Termin noch in diesem Jahr versprochen.“ [Notar]

„Nächstes Jahr ist keine Option!“ [Mandant]

Zu Beginn des Novembers kann hierauf vielleicht noch optimistisch geantwortet werden. Aber spätestens Ende November ist er dann plötzlich da: Der Jahresabschlussstress, der einem noch viel stressiger vorkommt als im letzten Jahr.

Neue Gesetze zum Jahreswechsel

Der Klassiker: Die Gesetzesänderung zum Jahreswechsel. Sobald der Gesetzgeber wieder eine mehr oder minder gravierende Gesetzesänderung zum Jahreswechsel ankündigt, sind vermehrte Hektik und erhöhter Stress vorprogrammiert.

Man denke an die gesenkten Umsatzsteuersätze in der zweiten Jahreshälfte von 2020. In Kombination mit dem neuen Gesetz zur Maklercourtage, das ab Weihnachten desselben Jahres die Courtage auf Käufer und Verkäufer gleichmäßig aufteilte, war der Andrang nach Terminen noch im alten Jahr entsprechend hoch.

Perfekt war das Chaos im letzten Jahr, nachdem die Medien von einem Tag auf den anderen von der Änderung der Immobilienbewertung und den damit verbundenen steuerlichen Auswirkungen berichteten. Am Morgen danach stand in unserem Büro kein Telefon mehr still. So gut wie jeder Anrufer wollte noch im Jahr 2022 einen Überlassungsvertrag innerhalb der Familie abschließen. Überlassung hier, Schenkung da – es wollte kein Ende nehmen.

Und natürlich hat der Gesetzgeber auch für diesen Jahreswechsel eine taktische Finesse vorgesehen. Warum auch sollten wir ausgerechnet in diesem Jahr von einer gesetzlichen Neuerung verschont bleiben? In diesem Jahr dreht sich alles um die eGbR! Da ist die Vorhersage für dieses Jahr recht eindeutig: Die eGbR wird viele Anrufer und zusätzliche Termine bescheren.

Weitere Klassiker

Nach einigen Terminen kann man jedes Jahresende aufs Neue die Uhr stellen. Sie kommen alle Jahre wieder:

  • Die Handelsregister-Deadline: Ein Stichtag, der jedes Jahr um einige Tage nach vorne zu wandern scheint.
  • Der Überlassungsvertrag als Weihnachtsgeschenk: Ab und zu kommt es vor, dass am 24. Dezember noch am Vormittag beurkundet werden soll. So ein Häuschen unterm Weihnachtsbaum macht sich eben ganz hervorragend.
  • Liquidationen: Dass der 31. Dezember ein gern genommener Tag für das Auflösungsdatum einer Gesellschaft ist, liegt auf der Hand.
  • Vollmachten und Testamente: Fast wie ein Neujahrsvorsatz, der noch im alten Jahr zu erledigen ist, um gut vorbereitet in das neue Jahr zu starten, wird die Generalvollmacht oder das Testament gern noch im alten Jahr beurkundet.
  • Der Mythos um den Millionen-Kaufvertrag: Ob Mythos oder nicht, alle Jahre wieder hält sich jedes Notariat auch am 31. Dezember hierfür bereit.

Vielleicht habe ich in meiner Liste den einen oder anderen klassischen Fall zum Jahreswechsel aus Ihrem Notariat vergessen?

(Last-Minute) Ideen für die Weihnachtszeit

Zwischen all der Arbeit sollte dennoch die Weihnachtsvorfreude nicht zu kurz kommen. Und auch Weihnachtsmuffel sollten in der Dezember-Hektik nicht vollkommen im Stress versinken und zwischendurch einmal an etwas anderes denken als an Deadlines und Fälligkeiten.

Wer Lust auf etwas gemeinsames Weihnachtsfeeling im Büro hat, findet hier einige Traditionen und Last-Minute Ideen für eine Prise Weihnachtsfeeling im Büro:

Dekoration

Die einen greifen zu pompösen Weihnachtskränzen, die anderen zum dezenten Weihnachtsstern. Man könnte das ganze zum bürointernen Wettbewerb ausweiten und die „Deko-Queen“ oder den „Deko-King“ küren. Bei uns bricht ohnehin jedes Jahr der heimliche Kampf um die schönste Dekoration an der Zimmertür aus.

Gemeinsamer Adventskalender

Jeder Mitarbeitende (und Chef) packt ein weihnachtliches Päckchen nach einem vorher festgelegten Budget zusammen. Ob Weihnachtspunsch, dicke Kuschelsocken, Kerzen oder Weihnachtsgebäck – alles, das nach Weihnachten aussieht, darf verpackt werden. Es sollten mindestens 24 Päckchen zusammenkommen, wobei natürlich hier die Bürogröße eine Rolle spielt und in größeren Büros einige Tage doppelt vergeben und in kleinen Büros Tage übersprungen werden müssten. Bestenfalls erhält so jeder Mitarbeitende (und Chef) eine Ziffer und darf am entsprechenden Tag im Dezember ein Päckchen auspacken.

(Ugly) Christmas Sweater Day

Bei uns ist jedes Jahr der Nikolaustag auserkoren, um im Weihnachtsoutfit zur Arbeit zu kommen. Ganz egal ob darauf blinkende Tannenbäume, Rentiere mit quietschenden Nasen oder tanzende Lebkuchen abgebildet sind, an diesem Tag darf von der Kleideretikette abgewichen und zum Weihnachtspulli gegriffen werden. Wem das zu viel Polyester und Kitsch ist, der kann natürlich die schlichteren Varianten, wie den weihnachtlichen Anstecker oder Ohrringe aus Tannenbaumkugeln, wählen.

Weihnachtsfeiern

Bei diesem Thema scheiden sich bekanntlich die Geister: Für die einen gehört die Weihnachtsfeier im Dezember dazu. Gemeinsam wird dann ein Weihnachtsmarkt besucht, ein weihnachtliches Dinner genossen oder das Kulturprogramm ausgepackt.

Die anderen verschieben den Anlass des Zusammenseins in das neue Jahr und holen ihre „Weihnachtsfeier“ im Januar nach.

Wichteln

Ob Würfel-Wichteln, Schrott-Wichteln oder Gedichte-Wichteln; hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ein Ereignis für die Mittagspause, nach Feierabend oder auch einfach zwischendrin.

Eine personalisierte und besonders kreative Idee, wenn auch eher für kleinere Notariate geeignet, ist die des Gedichte-Wichtelns: Jeder Mitarbeitende (und Chef) zieht den Namen eines anderen und verfasst ein paar liebe Reime, die einen anderen Mitarbeitenden (oder Chef) beschreiben. Am Wichtel-Tag werden dann alle Zeilen vorgelesen, um gemeinsam den Beschriebenen zu erraten.

Aber nun genug davon, nicht dass all die Weihnachtstraditionen in zusätzlichen Stress ausarten!

Denn ganz egal wie man zu Weihnachten und Weihnachtstraditionen auch stehen mag: Ich wünsche Ihnen allen eine halbwegs stressfreie Adventszeit. Und wenn das mit der stressfreien Zeit nicht – noch nicht einmal halbwegs – funktioniert, dann wünsche ich Ihnen allen auf jeden Fall einen guten Rutsch in das neue Jahr mit weniger Hektik!

Die Notarfachangestellte aus Hamburg hat ein Faible für das Gesellschafts- und Erbrecht, ist aber auch in allen anderen Rechtsgebieten, die das Notariat zu bieten hat, unterwegs. Nach der Ausbildung zur Notarfachangestellten, hat sie einen kurzen Ausflug in das Jurastudium gemacht und dabei festgestellt, dass ihr Herz einzig und allein für das Notariat schlägt. Als nächstes steht die Weiterbildung zur Notarfachwirtin auf ihrem Plan. In ihrer Freizeit ist sie mit einem Podcast auf den Ohren, einem Buch vor der Nase oder in der Natur rund um die Alster anzutreffen.

Hier erzählt sie Geschichten aus dem Büroalltag und gibt Einblicke hinter die Kulissen im Notariat.

Diesen Beitrag teilen

image_pdf
image_print