Gesellschaftsrecht im Notariat steht unter permanentem Veränderungsdruck. Neue Entscheidungen der Registergerichte und Oberlandesgerichte, Leitlinien des Bundesgerichtshofs sowie Reformgesetze wie MoPeG und UmRUG verändern fortlaufend die Anforderungen an Gestaltung, Beurkundung und Vollzug. Wer hier auf dem aktuellen Stand bleiben will, braucht mehr als punktuelle Fortbildung – gefragt ist eine kontinuierliche, systematisch aufgebaute Begleitung durch das Jahr.
Mit der Online-Seminarreihe „Societas@Notariat – Gesellschaftsrecht: Das Quartalsupdate“ (27.02., 29.05., 28.08., 20.11.2026) etabliert der Deutscher Notarverlag ein kontinuierliches Fortbildungsformat, das Entwicklungen nicht nur referiert, sondern systematisch einordnet und ihre konkreten Auswirkungen auf die notarielle Praxis analysiert. Vierteljährlich werden aktuelle Brennpunkte aus Beurkundung, Vertragsgestaltung und Registerverfahren in einer kompakten einstündigen Live-Session aufgegriffen.
Im Interview erläutert Rechtsanwalt Ralf Knaier – wissenschaftlicher Referent am Deutschen Notarinstitut in Würzburg sowie Autor maßgeblicher Werke zum GmbH-, Umwandlungs- und Personengesellschaftsrecht –, warum gesellschaftsrechtliche Fortbildung als fortlaufender Prozess gedacht werden muss, wo derzeit besondere Unsicherheiten in der Praxis liegen und weshalb ein methodisch fundiertes Quartalsupdate für Notariate einen echten Qualitätsvorsprung schaffen kann.
Warum braucht es aus Ihrer Sicht heute ein regelmäßiges Quartalsupdate speziell für das Gesellschaftsrecht im Notariat?
Knaier: Das Gesellschaftsrecht ist im Notariat längst kein statisches Gestaltungsfeld mehr. Die Dynamik entsteht nicht nur durch Gesetzgebung, sondern vor allem durch eine immer differenziertere Rechtsprechung und eine teils heterogene Registerpraxis. Wer hier nicht kontinuierlich nachschärft, arbeitet unweigerlich mit überholten Annahmen.
Ein Quartalsupdate schafft methodische Klarheit: Was ist dogmatisch gesichert? Wo verschiebt sich die Linie? Und vor allem – welche unmittelbaren Konsequenzen ergeben sich für die notarielle Gestaltung und den Vollzug? Es geht dabei nicht nur um bloße Information, sondern um Präzisionsgewinn im alltäglichen Arbeiten.
Was unterscheidet diese Seminarreihe von klassischen Fortbildungsveranstaltungen?
Knaier: Viele Fortbildungen referieren Entscheidungen. In dieser Veranstaltungsreihe versuchen wir mehr ihre Tragweite zu analysieren.
Mich interessiert nicht nur, was entschieden wurde, sondern vor allem auch die Auswirkungen:
- Wie verändert das die Vertragsgestaltung?
- Welche Risiken entstehen im Registerverfahren?
- Wo liegt die haftungsrechtliche Relevanz?
Die Reihe verbindet wissenschaftliche Durchdringung mit notarieller Praxisrealität. Genau an dieser Schnittstelle arbeite ich seit Jahren – in Publikationen ebenso wie in der täglichen Auseinandersetzung mit Register- und Strukturfragen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Themen und Entscheidungen für jedes Quartalsupdate aus?
Knaier: Ich filtere strikt nach praktischer Relevanz. Entscheidend sind dabei vor allem drei Fragen für mich:
- Betrifft die Entwicklung typische notarielle Kernvorgänge (Gründung, Anteilsübertragung, Satzungsänderung, Umwandlung, Registeranmeldung)?
- Hat sie Einfluss auf Gestaltungssicherheit oder Vollzugswahrscheinlichkeit?
- Erfordert sie eine Anpassung bestehender Muster oder interner Prüfungslogiken?
Nur wenn eine Entscheidung oder Entwicklung eine echte Veränderung in der notariellen Arbeitsweise bewirkt, gehört sie ins Quartalsupdate. Praktische Beobachtungen, die besonders auffällig sind, wie beispielsweise die Reaktion verschiedener Registergerichte auf Rechtsprechung werden dabei natürlich ebenso berücksichtigt.
Welche typischen Praxisfragen aus dem Notariat stehen aktuell besonders im Fokus?
Knaier: Im Fokus stehen regelmäßig Konstellationen, in denen sich Dogmatik und Registerpraxis nicht deckungsgleich entwickeln. Dazu gehören insbesondere Vertretungs- und Legitimationsfragen, Fragen rund um Gesellschafterstrukturen und -änderungen, Strukturmaßnahmen im GmbH-Recht, Vollzugsanforderungen und Nachweisführung und Entwicklungen im Umwandlungsrecht, insbesondere bei komplexeren Konstellationen
Gerade im Umwandlungsrecht zeigt sich beispielsweise, wie wichtig eine systematische Einordnung ist: Wer hier nur punktuell denkt, übersieht strukturelle Wechselwirkungen.
Gibt es Bereiche, in denen Sie derzeit besonders viel Unsicherheit oder Beratungsbedarf in der Praxis beobachten?
Knaier: Unsicherheit entsteht typischerweise dort, wo Registergerichte ihre Anforderungen schrittweise verändern, neue Entscheidungen bestehende Argumentationslinien relativieren, digitale Verfahren neue Nachweis- und Prüfungsfragen aufwerfen oder dogmatische Feinheiten plötzlich vollzugsentscheidend werden.
In solchen Situationen reicht kein oberflächlicher Überblick. Es braucht eine methodisch saubere Herleitung und eine klare Positionierung: Was ist vertretbar? Was ist risikobehaftet? Wie dokumentiert man die Entscheidung?
Können Teilnehmende eigene Fragestellungen aus der Praxis wiederfinden?
Knaier: Ja – und das ist ausdrücklich gewollt.
Mir ist wichtig, dass reale Fragestellungen aus Notariaten nicht abstrakt bleiben, sondern strukturell aufbereitet werden: Welche Rechtsfrage steckt tatsächlich dahinter? Wo liegt das Risiko? Welche Alternativen bestehen? Wie argumentiert man gegenüber dem Register?
Welche praktischen Erkenntnisse sollen die Teilnehmenden idealerweise direkt in ihren Arbeitsalltag mitnehmen können?
Knaier: Idealerweise drei Dinge:
- Aktualisierte Gestaltungssicherheit – insbesondere bei wiederkehrenden Standardvorgängen.
- Klar strukturierte Argumentationslinien für Register- und Vollzugssituationen.
- Ein geschärftes Problembewusstsein, das frühzeitig Risiken erkennt.
Ein gutes Update spart Zeit, reduziert Reibungsverluste im Team und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines reibungslosen Vollzugs erheblich.
Warum lohnt es sich für Notariate, die Seminarreihe über das gesamte Jahr hinweg zu begleiten statt nur einzelne Veranstaltungen zu besuchen?
Knaier: Weil Rechtsentwicklung kein singuläres Ereignis ist, sondern ein Prozess.
Wer jedes Quartal dabei ist, baut eine konsistente Linie auf. Entwicklungen werden nicht isoliert wahrgenommen, sondern im Zusammenhang. Muster werden kontinuierlich fortgeschrieben, interne Abläufe angepasst und Argumentationsstrategien verfeinert.
Kontinuität schafft System – und System schafft Sicherheit.
Für wen würden Sie die Teilnahme besonders empfehlen – und warum gerade jetzt?
Knaier: Für Notarinnen und Notare mit gesellschaftsrechtlichem Schwerpunkt – ebenso wie für erfahrene Mitarbeitende.
Gerade in wirtschaftsrechtlich geprägten Notariaten entscheidet die Qualität der gesellschaftsrechtlichen Arbeit maßgeblich über Effizienz, Haftungsprävention und Mandantenzufriedenheit. Wer hier auf aktuellem, dogmatisch fundiertem Stand arbeitet, verschafft sich einen echten Qualitätsvorsprung.
Worauf können sich die Teilnehmenden freuen?
Knaier: Wie ich hoffe, auf eine konzentrierte, analytisch strukturierte Veranstaltung ohne Überflüssiges. Mein Anspruch ist, dass jede Ausgabe einen spürbaren Mehrwert liefert – fachlich belastbar, praxisnah und methodisch sauber.
Gleichzeitig ist diese Veranstaltungsreihe jetzt erstmals in dieser Form aufgesetzt. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung: Gesellschaftsrechtliche Fortbildung im Notariat braucht aus meiner Sicht ein kontinuierliches, aufeinander aufbauendes Format.
Natürlich wird sich die Reihe weiterentwickeln – inhaltlich, methodisch und auch im Dialog mit den Teilnehmenden. Genau das ist gewollt. Ein Quartalsupdate ist kein statisches Produkt, sondern ein lernendes System. Es wächst mit den Entwicklungen der Rechtsprechung, mit der Registerpraxis – und mit den konkreten Fragestellungen aus den Notariaten.
Wer von Beginn an dabei ist, begleitet nicht nur eine Fortbildung, sondern die Etablierung eines fachlich anspruchsvollen Formats, das langfristig eine verlässliche Referenz im gesellschaftsrechtlichen Notariatsalltag sein soll.
Das Interview führte Julia Schmidt


